Montag, Juli 06, 2015

Küchenteufel fermentiert: Ingwerbier / Ginger Ale

Ich muss euch etwas gestehen: Ich mag Ingwer nicht sonderlich.

Waas?! Ein indisches Mädchen, dass keinen Ingwer mag? Undenkbar, könnte man meinen. Aber ich kenne zahlreiche Menschen, die in Lübeck leben und kein Marzipan mögen. Selbstverständlichkeiten sind eben nicht immer selbstverständlich. 

Und doch muss ich zugeben, dass vielen Gerichten etwas fehlen würde, wenn kein Ingwer enthalten wäre. Im Gegenteil löst der Duft von Ingwerpaste aus der indischen Tüte oder frisch aufgeschnittenen Ingwerscheiben positive Kindheitserinnerungen in mir aus. Aber eine Kanne frisch aufgebrühten Ingwertee? Nee, lass mal. Und damit könnte das Thema "Ingwer als Getränk" abgehakt und dieser Blogpost extram redundant sein (abgesehen von meinem eigenen Mitteilungsdrang). Ist es aber nicht, denn ich trinke dann und wann gern "Moscow Mule", und wie immer interessiert mich, was drin steckt und ob ich es vielleicht selbst nachbauen kann. Dieses Getränk, was gern in schicken Kupferbechern serviert wird, ist ein Highball-Longdrink, d.h. mit viel nichtalkoholischem Getränk aufgefüllt, auf Basis von Ingwerbier. Merkt ihr was? Genau, ich wollte Ingwerbier einfach mal selbst herstellen und bin deshalb extra für euch - und ein klein wenig auch für mich - über meinen "ich mag keinen Ingwer"-Schatten gesprungen.

Das Rezept habe ich von Tory Avey und es hat wirklich viel Spaß gemacht, dem Getränk beim fermentieren und wachsen zuzuschauen. Vielleicht sollte ich häufiger mal mit lebenden Organismen experimentieren. Wichtig ist, dass ihr für die Herstellung keine geschlossene Glasflasche benutzt - die Hefe fliegt euch sonst irgendwann um die Ohren. Natürlich kann man "Ginger Beer" oder "Ginger Ale" auch ohne Moscow-Mule-Zutaten als erfrischendes und alkoholfreies Sommergetränk auf Eis genießen.

Ginger Ale selbst gemacht (Ingwerbier)




Zutaten

für den Ingwersirup

200g weißer Zucker
120 ml Wasser
2 EL frisch geriebener Ingwer

für das Ingwerbier

1/8 EL (2,5g) Trockenhefe
o.g. Ingwersirup
3 EL frischer Zitronensaft
1,5l Wasser

Zubereitung

Den Ingwer von außen schälen und über eine feine Reibe ziehen, bis ihr ca. 2 EL voller Ingwerzesten zusammen habt. Ingwer, Wasser und Zucker in einem kleinne Topf zum kochen bringen, auf mittlerer Hitze weiterrühren, bis der Zucker sich aufgelöst hat. Dann auf die kleinste Hitze stellen und ca. 10 Minuten weiterköcheln. Vom Herd nehmen und eine Stunde ziehen lassen. Die Flüssigkeit durch ein feines Sieb gießen, um den Ingwerabrieb abzuseihen. Die Briten nennen diesen Ingwersirup übrigens "Gingerette" :)

Jetzt gibt es einen "Shortcut" zu einem simplen Ginger Ale, ganz ohne Fermentation. Dafür einfach drei bis vier Esslöffel des Sirups auf ein Glas mit Eiswürfeln geben und mit Mineralwasser auffüllen. Fertig!

Für den richtigen "Ginger Beer"-Geschmack und einen perfekten Moscow Mule wird es nun interessant: Eine große Plastikflasche (2l) mit Trockenhefe, Ingwersirup, Zitronensaft und Wasser auffüllen. Den Deckel fest zudrehen und kräftig schütteln, bis sich die Hefe aufgelöst hat. Dann für einige Tage bei Zimmertemperatur stehen lassen - aber nicht im direkten Sonnenlicht!

Nach zwei bis drei Tagen sollte das Ingwerbier fertig sein - man sieht es, wenn sich Kohlensäure gebildet hat. Dann in andere Flaschen abfüllen und kühl stellen, damit der Fermentierungsprozess verlangsamt wird. Ganz aufhalten lässt er sich nicht, deshalb sollte man dieses Getränk innerhalb von 1-2 Wochen verbrauchen und - ganz wichtig - täglich einmal die Flasche(n) öffnen, um etwas Kohlensäure entweichen zu lassen.
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