Sonntag, Juni 24, 2012

Pass auf, was Du Dir wünschst - Tage wie diese

Man sollte sich genau überlegen, was man sich wünscht. In der Realität könnte es nicht halb so schön sein, wie man es sich vorgestellt hat.

Ja, das klingt jetzt irgendwie kryptisch und auch extrem weit hergeholt. Weil ich aber wahrscheinlich nach Schreiben dieses Textes eine tolle Überschrift gefunden habe (oder wenigstens eine aussagekräftige), wißt ihr schon, worum es geht, und ich muss gar nicht lange einleiten. Hoffentlich. Kommen wir also zum wesentlichen.

Die Toten Hosen. Aus Düsseldorf. So wie ich. Mit Fortuna 95 Düsseldorf verbunden. So wie ich. Zu Zeiten der teenageresken Identitätskrise, die wir wohl alle durchlaufen haben, waren sie mein Anker. Düsseldorfer, die ihr düsseldorfsein in die Welt getragen haben, gegen all diese "Köln ist doch viel cooler"-Spezis, die ich in meinem norddeutschen Exil traf. Abgesehen davon fand ich Campino in "Langer Samstag" auch noch sehr schnuckelig, aber der Mann ist gerade 50 geworden, also lassen wir das mal weg.

Was der kurze Exkurs sagen will, ist, dass ich mich, solange ich denken kann, als Fan bezeichne, nicht Hardocre, aber schon nach jeder Neuerscheinung, jedem Bootleg, jeder Kopie eines Konzertes aus Buenos Aires lechzend. Ich habe sie mehrfach erlebt in Kiel in der Ostseehalle, in Lübeck in der MuK (NIE WIEDER!) und in der Alsterdorfer Sporthalle (eine Sporthalle? Hallo? Scheiß Sound!).

Und nun sollte etwas Neues erscheinen. Nachschub für mich in meiner Welt aus diffusem Chart/Technokram für die Cyclingstunden und dem LinkinPark/Blink182/Kettcar-Gelöt, dass mich beim Putzen und Autofahren unterstützt. Mit Grausen dachte ich an "Strom", mit dem ich so gar nix anfangen konnte. Wie würde der neue Song bei mir landen? Er landete gut. Er landete sogar sehr gut. Ich saß im Auto, fuhr die Eckernförde an einem sonnigen Tag entlang, als delta radio die Premiere ankündigte, ich rechts ranfuhr, das Radio aufdrehte und hoffte.

Ich wurde nicht enttäuscht, "Tage wie diese" nahm mich sofort gefangen, schon in der ersten Strophe fühlte ich, wie ich "mit dem Strom" der gutgelaunten Menschen unterwegs war. Nicht auf den Rheinterrassen, sondern auf der Kieler Woche. Ja, der Song klang nach Kieler Woche par excellence, es war genau diese Stimmung, die jedes Mal gleich, aber doch jedes Mal anders ist. Scheiß auf die Konzerte, auf Eintrittspreise, auf zu teures Bier. Es geht um die Menschen, die man trifft, die Menschen, mit denen man seine Zeit verbringt, die Kulisse am Wasser. Einfach schön. Und da passierte es: Ich wünschte mir, dass die Toten Hosen mit diesem Song so richtig Erfolg haben würden. Dass noch mehr Kieler Woche-Besucher ihn hören und das empfinden würden, was ich in diesem Augenblick empfand. Doch ich tat das als Unsinn ab. Ein Song von den Toten Hosen ganz oben in den Charts? Das hatte es seit "10 kleine Jägermeister" nicht mehr gegeben und da war das putzige Video auf VIVA mit Sicherheit mit Schuld gewesen.

Wer diesen Text zeitnah nach seiner Erstellung liest, dem muss ich nicht erklären, dass "Tagen wie diese" eingeschlagen hat wie eine Bombe. Sofort auf die Eins der MediaControl-Charts, als Background zu den ARD-Fußball-Übertragungen, nicht nur beim denkwürdigen Relegationsspiel zwischen Düsseldorf und der Berliner Hertha (wo es ja passte, Düsseldorf und DTH und so), sondern überall. Dauernd. Immer. Gefühlt bei allen Radiosendern von RSH über N-Joy bis zu NDR1. Alle Fußballübertragungen.

Bei Facebook kreiste dieses Bild und es ist sooo wahr:



Natürlich läuft es auch auf der Kieler Woche. Und es ist schön, dass meine Begleiter den Titel mit mir singen können. Der Kumpel aus Iserlohn (das ist von hier aus gesehen nahe bei Düsseldorf), der sich wohl auch manchmal als Exilant fühlt, genauso wie die Kumpanen, die gerade eine Woche im Bierkönig auf Mallorca gefeiert haben und den Titel dort ständig gehört haben. Mit eigener Version, versteht sich. Sozusagen Ed Hardy-Sonderedition.

So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Daher: Passt auf, was ihr euch wünscht.
Trotzdem kann ich es noch hören (nur nicht mehr so oft). Ich hoffe, das bleibt so.




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