Freitag, März 12, 2010

Gedanken über Kommunikation

Gerade eben las ich einen Blogartikel von Kirsten über Menschen, die einem alles schlecht reden. Und auch wenn ich dann doch gleich wieder bei mir selbst anstatt bei ihr bin, musste ich daran denken, wie ich früher mit meinen Mitmenschen umgegangen bin. Danke für die Anregung, Kirsten!

Ich habe vor einigen Jahren festgestellt, wie selbstverständlich ich doch einiges nehme, und auch wenn ich viel rede, sagte ich doch nicht immer, was ich sagen wollte. Bis ich zu Beginn des Jahrtausends richtig miese Erfahrungen machte. Eigentlich habe ich zwar immer Freunde gehabt, aber erst da stellte ich fest, welche wirklich wichtig sind und ich wollte es ihnen zeigen. Also war ich dazu übergegangen, meinen Liebsten die Dinge, die ich mir sonst nur denke, einfach mal auszusprechen.

Ein "ich freu mich schon drauf" beim abmachen eines Dates, ein "war wirklich schön, dass ihr da wart" bzw. ein "war ein richtig schöner Abend, danke dafür" nach einem Besuch oder hin und wieder ein "schön, dass Du da bist/dass es Dich gibt" geht mir jetzt nicht mehr nur durch den Kopf, sondern auch über die Lippen oder landet in einer Mail bzw. SMS. Auch mal ein Kompliment für Kleidung, Haarfrisur oder strahlendes Lächeln. Ich zeige nun an, dass mir etwas aufgefallen ist, positiv aufgefallen ist, und dass ich mich darüber freue.

Geständnis: Ich habe die Reaktionen gefürchtet. Irritierte Blicke. Nachfragen, ob mit mir irgendwas nicht stimme. Hämisches Grinsen. Aber ich habe mich trotzdem getraut, und siehe da, die Reaktionen, die ich so gefürchtet habe (ausgelacht werden etc.) sind durchweg positiv. Antworten wie "ich mich auch" oder "finde ich auch" kommen genauso herzlich wie die Umarmungen zur Begrüßung und zum Abschied. Vielleicht macht es den Menschen verwundbarer, wenn er Gefühle zeigt. Aber auch stärker. Und lebensfroher.

Ich habe nachgedacht, mich selbst überprüft, und festgestellt: Es dient nicht zum Selbstzweck, ich mache das nicht, um ein "ich Dich auch" oder ein "Dein Rock ist aber auch klasse" etc. zu erhalten, dass mein Ego streichelt. Sondern einfach, um dieses Lächeln auf dem Gesicht des Anderen zu erleben. Hätte ich das doch nur schon viel früher gemacht!

Kommentare:

  1. Ich gehöre auch zu den Menschen, denen es nicht soo leicht fällt genau das zu sagen oder zu zeigen, was man eigentlich sagen oder zeigen möchten.

    Die Frage ist ja auch, woran es liegt. Wurde man zu oft verletzt? Wurde es einem nicht vorgelebt oder hat es noch/doch ganz andere Ursachen.

    Es ist auf jedenfall etwas, über das ich nachdenken werde.

    Danke für den schönen Artikel =)

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  2. dazu fällt mir spontan ein, daß ich letztes WE zu einer lidl-kassiererin, die eine neue frisur hatte, gesagt habe: "schicke neue frisur!" ich meinte das insofern nicht wirklich, weil die frisur genau so doof war wie die vorige, aber sie hatte von blond auf dunkel und von lang auf kurz, also total mutig verändert. die frau sieht immer sehr niedergeschlagen aus, ist auch richtig, richtig dick und so, und hat keinen kontakt zu den kunden. ich sagte das kompliment deshalb, weil es mir ein bedürfnis war, ihr ein feedback zu geben, einfach so. die reaktion war unglaublich, die ganze frau leuchtete auf wie eine lampe, die man anmacht. plötzlich strahlte ihr blick, sie murmelte nicht nur ihr muffeliges "schönes wochenende" in ihre kassenschublade, sondern sah mich lächelnd an und wünschte mir ein wirklich schönes WE. meine freund sagte zu mir:" wow-you made her day!" dabei hab ich ihr "nur" mitgeteilt, daß ich sie wahrgenommen hab.

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  3. Du hast ja so recht!
    Ehrlich gesagt, bei mir war es auch lange so. So, das ich es eben oft für selbstverständlich angenommen habe (ist doch klar, das ich mich freue, das muss ich doch nicht auch noch sagen...), aber auch, das ich mich vor Ablehnung, Zurückweisung, davor, ausgelacht zu werden fürchtete, denn man macht sich ja schon irgendwie verletzbarer. Aber meistens versuche ich heute, daran zu denken (und oft geht es auch schon ganz von selbst), anderen auch mitzuteilen, das mich etwas freut, das ich etwas genieße, das ich für etwas dankbar bin.
    Nur manchmal, wenn ich gerade mal wieder sehr mit mir selbst beschäftigt bin, dann vergesse ich das und denke mir wieder: Ja, ist doch eigentlich klar, oder? Können die sich doch eigentlich auch so denken!

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  4. Okay, sowas lernt man lieber zu spät als nie! ;)

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