Donnerstag, August 21, 2008

Filmkritik - Batman, the Dark Knight

Was habe ich auf diesen Film gewartet. Und was habe ich mir Sorgen gemacht, als ich die Einspielergebnisse in den USA gesehen habe. Zuviele Zuschauer spricht für mich in diesem Fall nur selten für hohe Qualität. Ich bin ein Snob ;-) Aber ich habe eine Filmkritik verfasst, für den Fördeflüsterer. Und natürlich auch für euch, wenn es euch interessiert.


Comicverfilmungen wird ja einiges nachgesagt: Sie bieten zu wenig interessante Handlung, dafür zu viel Action. Die normalen Menschen stehen mit offenen Mündern staunend daneben und haben lediglich die Aufgabe, sich retten oder zumindest beschützen zu lassen. Sehr bunt mit zu wenig Tiefgang und da alle Comicfreaks die Story bereits kennen, hat jeder der zumeist eher unbekannten, farblosen Akteur maximal 2-3 Sätze zu sprechen. Praktischerweise ist nach maximal 1,5 h Stunden der ganze Spaß vorbei.

„Batman The dark knight“ ist gemessen an diesen Maßstäben alles andere als eine Comicverfilmung – und ist trotzdem genau dies. Ein großartiger Film, der jedoch von allem fast etwas zu viel mitbringt. Die Handlung ist komplex, auch Nicht-Kenner des Batmanuniversums werden in die neuen Figuren eingeführt. Die Kulissen sind aufwändig gestaltet, die Actionszenen perfekt durchchoreografiert. Die Akteure sind bis in die größeren Nebenrollen prominent besetzt (Gary Oldman, Morgan Freeman, Michael Caine) und jeder Hauptdarsteller hat mit genügend Text die Möglichkeit, seine Rolle selbst zu interpretieren. Ein feiner Humor macht diese „schwere Kost“ auch für den nicht so an Actionfilmen interessierten Filmbesucher kurzweilig. Sogar die Bewohner Gotham Citys werden mit Macht und Rolle ausgestattet. Und der frühe Tod des Joker-Darstellers Heath Ledger – bzw. die dazugehörige Medienberichterstattung – soll dem Film einen zusätzlichen morbiden Reiz geben.

Wir befinden uns also erneut in Gotham City, dem Stellvertreter für alle Sündenpfuhle dieser Welt. Die Polizei ist immer noch machtlos gegenüber Gewalt und Kriminalität oder läßt sich für ihr Nichtstun bezahlen, und die wenigen wackeren Polizisten erhalten Unterstützung von einem maskierten Vigilanten im schwarzen Carbonkostüm, der sich im Gegensatz zu ihnen an nur eine Regel hält: Keine Waffen.
Schon allein das Lichtsymbol auf dem Dach des Polizeihauptquartieres, eine Fledermaus an den Himmel projiziert, bringt Kleinkriminelle dazu, sich dafür zu entscheiden, den Abend auf der heimischen Couch zu verbringen. Größere Drogendeals werden von einem maskierten Rächer mit einer Waffe unterbrochen. Und noch einem. Und noch einem?
Batman mit einer Waffe, und das gleich in mehrfacher Ausführung?
Der wahre Batman, der am Tage die Maske des gelangweilten Multi-Milliadärs Bruce Wayne (Christian Bale) spielt, muss sich also nicht mehr nur noch um Kriminelle kümmern, sondern auch noch Nachahmungs-Batmans vor sich selbst retten, die in das Symbol „Batman“ ihre Hoffnung setzen.

Soweit die Ausgangslage, doch es geht tiefer – denn nachdem Batman die Kleinkriminellen in Angst und Schrecken versetzt hat, planen er und der Leiter einer Polizeisondereinheit, Jim Gordon (Gary Oldman), den großen Schlag gegen das organisierte Verbrechen in Gotham, die Mafia.

Zu diesem Zeitpunkt kommt der neu gewählte Staatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckhart) ins Spiel, der „weiße Ritter“, der mit seiner charmanten, zupackenden Art nicht nur die Stadt, sondern auch Bruce Waynes beste Freundin und große Liebe für sich erobert hat. So kommt auch die obligatorische Dreiecks-Liebesgeschichte dazu, sie findet statt zwischen Bruce Wayne, seiner Freundin aus Kindertagen Rachel (Maggie Gyllenhall), die auch sein Alter Ego kennt, und dem Oberstaatsanwalt Harvey Dent, der jedoch im Laufe des Films seinen Glauben an die Stadt und seine Aufgabe verliert und zum Bösewicht „Two Face“ mutiert.

Es folgen ausführliche Einführungen der Personen, die Weiterentwicklung Batmans auch im technischen Bereich, die doch stark an James Bonds Besuche bei seinem Ausstatter „Q“ erinnern, und spektakuläre Actionszenen in einem gläsernen Gebäude in Hong Kong, bei denen man sich wie in Mission Impossible fühlt. Immer dabei die stets mit tiefgründigem Humor ausgestattete n väterlichen Freunde, der Butler Alfred, gespielt von Michael Caine sowie der technische Entwickler und offizielle Geschäftsführer von Wayne Enterprises, Lucius Fox (Morgan Freeman).

Doch was wäre Batman ohne einen Erzschurken, den großen Bösewicht, der ihn selbst an seine Grenzen kommen lässt? Da kommt der bereits verstorbene Heath Ledger als Bösewicht Joker ins Spiel, der plant, das organisierte Verbrechen in Gotham zu übernehmen. Während Jack Nicholson in der Tim Burton-Verfilmung vor allem sich selbst spielte, erhält Heath Ledger von Regisseur und Produzent Christopher Nolan sehr viel Spielraum, den Wahnsinn und die Anachie in den Film zu bringen. Seine Handlungen erklärt er selbst, in dem er sich mit einem Hund vergleicht, der fahrenden Autos nachjagt? Was soll er tun, wenn er wirklich einmal eines erwischt? Auch plant er nicht, Batman zu töten, weil er sie beide als voneinander abhängig sieht.

So zieht er zurück, was er zuvor von den Bewohnern Gotham Citys gefordert hat – Batman soll seine Maske offen legen, sonst würde er weiterhin unschuldige Menschen töten. Auch im weiteren Verlauf des Filmes ruft er die Bürger dazu auf, Selbstjustiz zu verüben, sich also im Grunde auf ein Niveau mit Batman selbst zu stellen. Doch als es darum geht, sich selbst oder andere vor einer vermeintlichen Gefahr zu schützen, hilft nicht nur Batman, sondern die Bürger sich selbst und zeigen dem Joker etwas übertrieben gesagt „ihre Menschlichkeit“. Die Übertreibungen passen in den Pathos des gesamten Filmes.

Heath Ledger war maßgeblich an der Ausarbeitung der Rolle beteiligt, und war bereits an einer Überdosis unterschiedlicher Medikamente gestorben, als Christopher Nolan im Schneideraum sass. Nur so erklärt sich, warum sich der Joker gerade in der zweiten Hälfte des Films mit längeren Monologen immer wieder selbst ein wenig demontiert. Die Anarchie und der wahnsinnige Witz wird verdrängt durch etwas zu viel Tiefgang, als hätte Nolan sich nicht getraut, dem Oscarpreisträger Heath Ledger in seiner letzten Rolle den Mund zu verbieten und anscheinend einfach „alles drin gelassen“. Auch die Tatsache, dass einigen Nebenfiguren wie einem sonst eher tumben Mafiaboss bedeutungsschwangere Sätze in den Mund gelegt werden, wohl um die Handlung voranzutreiben und dem Zuschauer die Beweggründe der Hauptdarsteller besser zu erklären, hinterlässt hier und da einen schalen Beigeschmack.

Nicht nur deswegen ist „Batman – The dark knight“ für den Zuschauer etwas zu lang geraten. Die Qualität ist durchgehend hoch, jedoch hätte das gezeigte Material locker für 1,5 Filme gereicht. Vielleicht hätte man sich die komplette HongKong-Szenerie sowie die ausführlichere Mafiageschichte einfach sparen bzw. kürzer erzählen können. Gerade wenn es am Ende zu zahlreichen Showdowns, z.B. Harvey Dent gegen Jim Gordon oder eben dem Joker gegen Batman kommt, wünscht man sich doch, dass nicht schon zu Beginn soviel Zeit sinnlos verpulvert worden wäre.

Alles in allem ist dieser Film für mich der Film des Jahres, den man gesehen haben sollte, wenn man Fan der agierenden Darsteller ist, gut gemachte Action schätzt, Comicverfilmungen mag oder einfach kurzweilig unterhalten werden will. „Batman – The dark Knight“ ist definitiv ein Film zum „mehr als einmal ansehen“, der jedoch einiges Sitzfleisch verlangt. Glücklicherweise ist in den meisten Kinos eine Pause vorgesehen, ein Sitzen bleiben im Kinosessel bis nach dem Abspann wird leider nicht mit Outtakes oder einer herausgeschnittenen Szene belohnt.
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