Freitag, Juni 08, 2007

Die Nationalmannschaft und ich

Vor einigen Wochen traf ich eher zufällig auf meinen Vater, der mit seinen neusten Neuigkeiten einfach nicht hinter den Berg halten konnte: Er würde eine Eintrittskarte für das Fussballspiel Deutschland vs. Slowakai bekommen!
Hab mich sehr für ihn gefreut, und er verriet mir, dass er sogar versuchen würde, die eine oder andere Karte mehr zu ergattern. Aber versprechen könne er natürlich noch nichts ... also Ball flach halten!

Ich muss dazu sagen, dass wir eine fußballverrückte Familie sind, jeder ist entweder aktiv oder passiv mit Fußball beschäftigt, Brüderchen spielend, Papi organisierend im Kreisfußballverband, Mami Kuchen backend und verkaufend auf diversen Jugendfussballturnieren damals und ich .. naja, neben der reinen Begeisterung für den Sport mag sich der geneigte Leser auch noch an mein Engagement bei der Frankfurter Eintracht im letzten Jahr erinnern ...

Irgendwann kamder erlösende Anruf, dass 3 Karten in Familienhand wandern würden, natürlich "waaaaahnsinnig tolle Plätze". Klar. Aber Papi war hat so stolz und mir wars egal: Dabei sein, wenn die Nationalmannschaft spielt! Yeah!

Mittwoch war es dann soweit: Eltern eingesammelt und ab nach Hamburg. Schon im Radio hieß es, dass wir wohl nicht direkt vorm Stadion parken könnten, weil rund 51.497 andere Leute auch ins Hamburger Stadion (wie lange heißt es eigentlich noch AOL-Arena? Und wann HSH Nordbankirgendwas?) wollten. Relativ zügig gings dann aber auf den Parkplatz hinter der Color Line Arena, wo wir auch schon bei Eishockeyspielbesuchen parkten, und ich benutzte die Zeit für den Weg um die Arena herum um meiner Mama zu versichern, dass das Volksparkstadion GANZ SICHER direkt neben der CoLinA sei. Wirklich! Aber meine Mam traut nur ihren eigenen Augen und als diese die Nähe zwischen beiden Stadien registrierten wurde sofort das Thema gewechselt: "Haben wir nicht beim Eishockey da drübern geparkt? Das kenn ich doch alles hier!" Okay ....

Gerade der Eingang, den wir wählten, schien eine unheimliche Anziehungskraft auf Frauen zu haben, weswegen wir etwas länger darauf warten mussten, unsere Handtaschen etc. kontrollieren zu lassen. Oder lag es einfach daran, dass die weiblichen Ordner irgendwie in der Minderheit waren? So langsam sollte sich der deutsche Fussball daran gewöhnen, dass nicht nur vereinzelt versprengte Ehefrauen von Fussballverrückten zum Spiel gehen. Nun, man hätte sich auch die WM-Begeisterung ansehen können, aber gut, wir waren ja irgendwann drin und auf der Suche nach unseren Plätzen.

Hatte ich mich vorher noch über meinen Vater und seinen Enthusiasmus bezüglich der "unglaublich guten Sitzplätze" amüsiert?! Ich muss Abbitte leisten.
Wer das Stadion kennt: Block 1A, Reihe 22.
Sprich: Vom Rasen aus gezählte 22. Reihe, auf Höhe des Elfmeterpunktes.

Also Haupttribühne, am Rand zum feiernden Fanblock, in meinem Rücken die Logenbesitzer von Opel Dello, links von uns die smarten Luxussitzbesucher mit den schicken grünen Schals.

Ich muss sagen: Respekt! Und natürlich hatte ich die Kamera vergessen, dabei hätte ich jede einzelne Haarsträhne von Marcel Jansen heranzoomen können, genau wie den schwindenden Haaransatz von Marek Erhardt, der zwecks Moderation in unserer Ecke stand.

Über das Spiel selbst muss ich ja nicht viel sagen - 2 Tore für Deutschland in der ersten Halbzeit direkt vor unserer Nase, die gefielen, und eine fast nicht vorhandene deutsche Abwehr auf der anderen Seite, weit weg.
Dazu aber beste Sicht auf einen portugiesischen Linienrichter, der sich dringend beim Augenarzt untersuchen lassen sollte, denn seine Fehlentscheidungen waren unglaublich.

Dafür La Ola bereits in der 5. oder 6. Spielminute, nicht übel. Das Stadion war zu 80% in weißen Trikots gefüllt, dazu unglaublich viele deutsche Fahnen aller Größen. Die Stimmung war großartig und garantiert nicht schuld an dem mauen Gekicke vor allem in der zweiten Halbzeit.
Die zweite Halbzeit war dann in erster Linie davon beherrscht, dass ich die Temperaturanzeige beobachtete (24°C abends um zehn!) und miterlebte, wie das Stadion einfach mal Pochers "schwarz und weiß" intonierte.

Fazit meiner Mama: Wie gut, dass die deutschen Tore auf unserer Seite fielen und man auch gerade hingeguckt hat, da es ja live keine Wiederholung gibt :-) UND man kann Fussballspiele auch sehr gut ohne TV-Kommentator gucken!

Ärgerlich war, dass 51.500 Leute natürlich nach einem Spiel auch wieder nach Hause wollen und das sauschlecht organisiert war. Gerade mein Vater, der nach dem Schlaganfall vor ein paar Jahren immer noch auf einen Gehstock angewiesen ist, wurde ganz schön umgedrängelt - gern auch von Damen in seinem Alter!
Obwohl wir noch 30 min. auf dem Parkplatz herumlungerten und uns dann erst in die Autoschlangen einreihten, mussten wir nochmal 30 min. warten, bis man uns vom Parkplatz ließ. Ich vermute, dass die Parkplätze hintereinander freigegeben wurden, nicht die dümmste Idee. ABER: Für 4 Eur Parkgebühr würde es mich schon freuen, wenn jemand auch auf dem Parkplatz den Verkehr regelt. Denn zwei Mal musste ich mir gefallen lassen, wie jemand mittleren Alters im neuen Audi (lässt sich da ein Muster erkennen?) ohne zu zögern von der Seite immer weiter in die winzige Lücke zwischen mit und meinem Vordermann hineinrollte. Bzw. sich eine Lücke erst SCHAFFTE, wenn er und ich die jeweiligen Kotflügel behalten wollten.

Arschlöcher. Zwei Autos hinter mir war die Schlange bereits zu Ende, aber diese beiden Aggros mitte 40 mussten ihren Beifahrern anscheinend beweisen, wie schnell sie von dem Parkplatz hinunterkämen.

Danach lief der Verkehr wieder flüssig, mein Vater schimpfte noch ein wenig auf mangelnde Polizeipräsenz, aber was soll man machen, wenn die sich mit bekloppten kleinen Autonomen in Heiligendamm herumschlagen müssen?

Die Stimmung im Stadion war zumindest großartig und tröstete auch auf eine maue zweite Halbzeit hinweg. Ich würde jederzeit wieder hingehen
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Rezept ausdrucken