Donnerstag, Juni 21, 2007

Aufgabe einer alten Gewohnheit ...

Kennt Ihr das? Man hat sich eine Meinung gebildet, spontan und subjektiv möglichst objektiv und mit zahlreichen Argumenten, und dann? Stellt man fest, dass man sich doch irgendwie getäuscht hat. Oder älter geworden ist. Oder sich die Rahmenbedingungen geändert haben.

Früher wäre ich gern daran erstickt, doch einfach TROTZDEM bei meiner Meinung zu bleiben. Heute grummle ich ein wenig, aber stehe doch dazu, mich wohl getäuscht/verändert zu haben.

Konkret geht es um das Abhängen in der Eggerstedtstrasse. Wer nicht weiß, worum es da geht: Die Kieler Woche, die uns jedes Jahr für 10 Tage in kollektive Glückseligkeit überstellt, muss irgendwann abends einfach mal zu Ende sein. Also nicht meinetwegen, aber wegen der Anwohner und der Leute, die da eh schon über 10 Stunden hinter Grill, Bierzapfanlage und heißen Crepe-Platten stehen.

Aber was tun mit der überschäumenden Motivation?
Findige Kneipenwirte in einer Seitenstrasse, die anscheinend entweder keine Bewohner hat oder denen üppiges Schmerzensgeld gezahlt wird, lassen ebendiese Seitenstrasse spät abends absperren und bauen vor ihren Läden improvisierte Tresen auf. Wenn also nirgendwo mehr etwas los ist, tigert man in die Eggerstedtstrasse, um sich da mit Getränken zu versorgen und einfach mal dumm auf der Strasse herumzustehen, so wie hunderte andere Leute.

Bisher ging jeder meiner Eggerstedtstrassenbesuche so aus, dass ich zwar mit netten Leuten dorthin ging, aber unglaublich viele Leute traf, die ich eh nicht leiden mag, man tauscht ein wenig Smalltalk aus und lässt sich ansonsten von Betrunkenen jeder Altersgruppe in der Gegend herumschubsen, weil die trotz massig Platz 3 m weiter sich nun unbedingt an mir vorbei drücken und mich anrempeln müssen *nerv*. Bei Frauen muss noch nicht mal das Stadium des Betrunken seins erreicht sein, die haben in einer Hand das Mobiltelefon (pink mit nem Bommel dran), in der anderen Hand Becks Green Lemon oder Desperados UND eine brennende Zigarette und wenn sie dann hektisch per Telefon ihren Anhang oder was auch immer suchen, ist ja wohl völlig verständlich, dass sie den kürzesten Weg nehmen, und der führt inkl. brennender Zigarette natürlich direkt an meiner Jacke vorbei. Ganz klar.
Und wenn man diesen Ort dann noch VOR dem großen Aufbruch verlassen will, sieht man sich einem Gewirr von Menschen ausgesetzt, welches kaum zu durchdringen ist. Für diese wenigen Meter bis zum Ende der kurzen Strasse habe ich schon länger gebraucht als vom Ende nach Hause.

Dieses Jahr ist irgendwie alles anders: Die Menschen, mit denen ich mich dort treffe scheinen sich als Gruppe irgendwie unkontrolliert zu vermehren, und zwar durchgehend mit netten Leuten. Auch diejenigen, die ich treffe und die ich teilweise sogar bewußt auf mich aufmerksam mache, sind alles Menschen, über deren Anwesenheit ich mich WIRKLICH FREUE, auch wenn der eine oder andere mich im etwas mehr als leicht angetrunkenen Zustand vielleicht ein wenig zuu lange an sich und gewisse Körperteile gedrückt hat. Aber ich nehms mal als Kompliment *lach* Und das an einem Samstag, eigentlich der "schlimmste" Tag in der Eggerstedtstrasse. So gegen zwanzig vor vier lockte mich dann ausschließlich das schlechte Gewissen ins Bettchen, da am nächsten Morgen ein Umzug im Freundeskreis bevorstand, sogar bei Alex wäre locker noch ein Caipi gegangen, und das, obwohl schon der nächste Tag am Horizont "graute".

Und Dienstag wars nicht viel anders: Die Stimmung war gut, die Leute waren nett, das Gedrängel erträglich, und das, obwohl ich "dank" der Schmerzmittel, die mir der Autounfall beschert hatte (ach ja, darüber wollte ich euch ja auch noch was erzählen) den Abend über alkoholfrei geblieben bin. Um eins zickte jedoch Alex´ Knie und wir verließen die Meute, die gerade erst vom Lotto King Karl - Konzert herüberschwappte und hektisch per SMS anfragte, wo wir denn geblieben seien ;-)
Ein ausführlicher Bericht über das Konzert bei Christoph.

Also, hier ganz offiziell: Liebe Eggerstedtstrasse, ich leiste Abbitte. Man kann sich doch ganz großartig in dir amüsieren. Muss also an mir gelegen haben. Wir sehen uns heute abend!
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