Freitag, Juli 28, 2006

Schlechte TV-Sendung: 5 gegen 100

Der Freitag abend gehört im Premium-Privatfernsehen (also RTL & SAT1 gegenüber RTL II und VOX) der Comedy. Oder dem, was Programmplaner dafür halten.
Auf "Genial daneben" lasse ich ja nichts kommen, auch wenn ich die Sendung nicht mehr ganz so gebannt verfolge wie zu Beginn. Aber einfach die Tatsache, dass die beiden Menschen, die mit "Alles nichts oder?!" für mein persönliches Aha-Erlebnis im dt. Fernsehen gesorgt haben, endlich wieder zusammen auf dem Bildschirm zu sehen sind und ihren Wortwitz sprühen lassen, macht es zu einer denkwürdigen Veranstaltung.

Einen ganz klaren Fehler jedoch macht derjenige TV-Zuschauer, der danach zu RTL zappt.
Nein, weder Mike Krüger noch Dirk Bach trietzen Mirko Nontschew dazu, sich bei "Frei Schnauze" als einziger komisch zu benehmen. Stattdessen findet man einen jungen, durchgestylten Moderator vor, der mit 5 "mehr oder weniger Promis" in einem Studio mit 100 Studiogästen sitzt. Und so erklärt sich auch schon der Titel: 5 gegen 100.

Der Moderator stellt Fragen und präsentiert gleichzeitig 4 Antworten (bisher alles wie bei Jauch). Allen Fragen gemeinsam ist, dass sie an Trivialität nur noch von der Banalität überboten werden.
"Für welche Summe würden 82% der deutschen Frauen 1 Jahr auf Sex verzichten?", "Auf welchem Weg beenden die meisten Deutschen ihre Affären?" oder "Für welches Vergehen bekommen die deutschen Autofahrerinnen in Flensburg die meisten Punkte?".

Zuerst stimmt das Publikum ab, dann besprechen sich die Prominenten. Bzw. sie nutzen die Show als Seelenstriptease-Selbstdarstellungs-Plattform. Nun weiß ich, dass Ingo Appelt seit der Geburt der Kinder keinen Sex mehr hat, dass Gülcan ihrem Freund gestern abend Kartoffeln und Spargel vorgesetzt hat, Mirja Boes durfte schon 3 Monate nach Abschluß der Führerscheinprüfung denselben wieder abgeben und Sky Dumont findet Sex im Paternoster anregend. Wobei dies sogleich in Gülcan die Frage hervorrief: "Was ist denn eigentlich ein Paternoster?". *nerv* Madame möchte wohl unbedingt eine neue Verona Feldbusch ähm Pooth werden, wirkt dabei aber eher wie ein Prollweib aus Lübeck Buntekuh, die sie wahrscheinlich auch ist. Nur über Dirk Bach haben wir nichts bemerkenswertes erfahren, was damit zusammenhängen könnte, dass man einfach schon alles weiß.

Wenn alle „Promis“ sich nun genügend ausgetauscht und auf eine Antwort geeinigt haben, die jedem einigermaßen informierten Zuschauer aus irgendwelchen zwischen-Tür-und-Angel-gelesenen Zeitungsartikeln der letzten „bunten“ Seite bekannt vorkommen, stellt der Moderator leicht angesäuert fest, dass Publikum und Promis sich wieder mal einig sind, lässt noch ein paar dumme Sprüche darüber los, dass man ja eigentlich Gegner wäre, Promi und Publikum, und am Ende hat keiner wirklich verloren, denn der vom Publikum erspielte Geldbetrag geht an einen aus ihrer Mitte, der einfach am schnellsten die richtigen Antworten in sein Abstimmgerät getippt hat, und vom Moderator bedrängt so spontan auch nur sagen kann, dass er die paar Kröten in seinen Hausbau investieren wird – okay, 3.000 Euro sind für einen armen Studi wie mich ne Menge Geld, aber solche Fragen stellt man doch eher bei 3 Millionen, nicht bei dreitausend Schleifen.
Relativ unspektakulär verkündet dann Dirk Bach noch schnell, dass das von der Tischrunde erspielte Geld an das RTL-Kinderprojekt (Oh, Wunder!) gehen wird und der Zuschauer ist endlich befreit. Eigentlich hat mich auch nur die wohlklingende Stimme von Sky DuMont so lange mit dem Ohr am TV gehalten. Und das passiert mir auch nicht so schnell wieder.
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